Virtual Fitness – Fluch oder Segen?

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Man muss zugeben, wenn man sich mit Virtual Fitness beschäftigt, hört sich das zunächst ziemlich interessant und innovativ an. Ein Angebot von 400 Kursmöglichkeiten die Woche, keine Kursausfälle und das ohne Personalaufwand. Klingt unmöglich? Ist aber Praxis in der Fitnesskette John Reed, die zu McFit gehört. Bei einem Kurs befinden sich die Trainierenden in einem Kursraum vor einer riesigen Leinwand auf der ein Trainings-Video läuft (oftmals in Amerika gedreht). Es entsteht dabei ein geringer Aufwand für das Fitnessstudio, gleichzeitig sollen die Kursteilnehmer ein einzigartiges Trainingserlebnis geliefert bekommen. In einem dieser Trainings-Videos trainiert Josh Martin in Jeans, Chucks und ölverschmiertem T-Shirt mit seiner Langhantel in der Wüste und lässt dabei die Vermutung zu, sie würde nichts wiegen. Die Kursteilnehmer versuchen es indessen ihm gleichzutun – kontrolliert wird die Ausführung allerdings nicht.

Aber wie gut ist denn dieses virtuelle Training überhaupt?

Problematisch ist laut Prof. Ingo Froböse der Deutschen Sporthochschule Köln, dass das Testimonial zu weit weg vom Kunden sei. Die aufgenommenen Trainingsvideos vermitteln häufig ein falsches Bild der Kursintensität, wodurch das Frustpotenzial der Kursteilnehmer hoch ausfallen kann. Denn die Gewichte, die die Personen im Kurs bewegen sind nicht virtuell und der Weg zum austrainierten Körper beschwerlicher, als  die Videos vermitteln. Gleichzeitig birgt das Training ohne Trainer und somit ohne eine Kontrolle der Bewegungsausführung ein größeres Potenzial für Fehlbelastungen. Virtual Fitness ist also keinesfalls für Sportunerfahrene zu empfehlen, da vor allem komplexe, funktionelle Bewegungsabläufe immer unter Aufsicht eines ausgebildeten Trainers erlernt werden sollten. Bei falscher Ausführung werden die Gelenke und umliegende Strukturen falsch belastet, was zum Verschleiß und letztendlich zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann. Virtual Fitness ist unter Umständen also sogar gefährlich.

Das Virtual Fitness-Universum ist groß

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McFit ist nicht die einzige und auch nicht die erste Fitnesskette die Virtual Fitness im großen Stil anbietet. Früher wurden Fitnessvideos von Cindy Crawford und Jane Fonda im Fernsehen gezeigt, heute gibt es Internetplattformen wie gymondo, Newmove oder fitnesRAUM, Fitness-Apps wie Freeletics (siehe Foto), Cyans A6W oder runtastic und eben die virtuellen Fitness-Kurse bei verschiedenen Fitnessketten in Deutschland mit imposanten Soundanlagen und riesigen Leinwänden. Die Firma Les Mills bietet in ihren Studios Cycling-Kurse vor einer 10-Meter großen gebogenen Leinwand an, von der die Teilnehmer umgeben werden. Bei dem Kurs „The Trip“ haben die Trainierenden so das Gefühl, sie wären mitten in einem Video-Spiel und spüren die eigentliche Belastung kaum. Und das ist auch der gewünschte Effekt – Les Mills geht davon aus, dass die Teilnehmer so noch härter und intensiver trainieren.

Die Frage die sich stellt, ist ob das aus sportwissenschaftlicher Sicht überhaupt wünschenswert ist? Zwar steigert das Konzept eventuell die Motivation der Trainierenden, aber auch hier ist die Gefahr groß, dass sich Sportunerfahrene übernehmen. Die Überflutung mit Reizen von außen, treibt Anfänger eventuell über ihre eigentliche Belastungsgrenze hinaus, wodurch erneut Verletzungen und Fehlbelastungen die Folge sein können und die gewollte Wirkung, ein adäquater Trainingsreiz, ausbleibt.

Unser Fazit zum Virtual Fitness

Durch die Virtual Fitness-Angebote lassen sich sportliche Aktivitäten für viele leichter in den Alltag integrieren. Durch die verschiedenen Fitness-Apps und Sport-Internetplattformen kann man sich nämlich auch als viel beschäftigte Person überall sportlich betätigen und muss selbst im Urlaub nicht auf sein (virtuell) angeleitetes Workout verzichten. Jetzt kommen wir zum großen ABER: Sportanfänger sind mit Virtual Fitness nicht gut beraten, weil die oft anspruchsvollen Fitness-Übungen einer genauen Einweisung und Kontrolle eines ausgebildeten Trainers bedürfen. Wie zuvor erwähnt ist die Gefahr ansonsten zu groß, dass eine Fehlbelastung stattfindet, durch die es zu ernsthaften Verletzungen kommen kann. Vor allem bei funktionellen Übungen, die komplexe Bewegungsmuster und -abfolgen voraussetzen, muss ein professioneller Trainer dabei sein, der das Training und die Ausführung der Übungen genauestens korrigiert. Auch erfahrene Sportler sollten bei einem intensiven Training immer einen Trainer an ihrer Seite haben, weil sich natürlich auch bei ihnen falsche Bewegungsmuster einschleichen können. Dies kann bei den hohen Intensitäten ihres Trainings ebenfalls negative Auswirkungen auf ihre körperliche Gesundheit haben.

Das Training MIT einem qualifizierten Trainer hat also nach wie vor seine absolute Daseinsberechtigung und sollte auch bis in absoluten Ausnahmefällen im Sport Praxis bleiben. Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand:

  • Individualität: Das Training sollte in jedem Fall an das Trainingsniveau der einzelnen Personen angepasst werden. Es ist nur logisch, dass ein Anfänger andere Übungen und Intensitäten bewältigen muss, als ein Leistungssportler, um sein persönliches Ziel zu erreichen.
  • Flexibilität: Ein guter Trainer ist in der Lage seine Übungsauswahl dem aktuellen Tages-/Leistugnsniveau seiner Trainingsgruppe anzupassen und von der ursprünglichen Planung abzuweichen.
  • Professionalität: Eine umfangreiche Ausbildung ist ein absolutes Muss für Trainer in jedem Sportbereich. Nur so können falsche Bewegungsmuster erkannt und somit auch Verletzungen vermieden werden.

Es bleibt festzuhalten, dass das Virtual Fitness in besonderen Fällen für sporterfahrene Personen eine sinnvolle Ergänzung zum normalen Training darstellen kann, aber nicht die Regel sein sollte und vor allem für Sportanfänger NICHT zu empfehlen ist. Die Betreuung eines professionellen Trainers macht letztendlich ein Training zu einem wirklich gutem Training.

Wir freuen uns schon auf das nächste Training mit euch – und keine Angst wir werden euch weiterhin live und in Farbe trainieren. 😉

Eure Franzi

 

Quellen:

http://www.rundschau-online.de/magazin/training-ohne-trainer-das-sind-die-vor–und-nachteile-von-virtual-fitness-27842260

https://www.lesmills.com/knowledge/newsfeed/the-trip-part-1/

http://www.freeletics-erfahrung.de/freeletics-workout-apollon/

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