Kriya – Die 6 Reinigungstechniken des Yoga

Im Rahmen meiner Yoga Trainer Ausbildung lernten wir auch etwas über die Reinigungstechniken des Hatha Yogas. Die Berichte über die uralten Techniken machten mich neugierig, sodass ich anfing mich selbst über das Thema zu informieren und zu recherchieren. Im folgenden Blogbeitrag erfahrt ihr mehr über die Reinigungstechniken – die Kriya. Zwei Techniken haben mein Interesse besonderes geweckt, sodass ich einen Selbstversuch gestartet habe. Meine eigenen Erfahrungen habe ich dokumentiert, diese könnt ihr in diesem Beitrag ebenfalls nachlesen und gegebenenfalls selbst testen.   

Vor langer Zeit wurden im Yoga sechs Reinigungstechniken (Shatkarma) entwickelt, welche an verschiedenen Körperbereichen ansetzen. Die Reinigungstechniken werden Kriyas (Shatkriya)  genannt und sollen die Trägheit und den Schleim aus dem Körper entfernen. Aber Achtung – nicht alle Techniken sind für den Hausgebrauch geeignet und brauchen zum Teil eine gute Anleitung bzw. eine gewisse Erfahrung.  

  1. Dhauti 

Dhauti bedeutet “waschen” – in erster Linie bezieht es sich auf die Reinigung des oberen Verdauungskanals. Dazu zählt schon Zähneputzen, das Reinigen der Zunge mit Hilfe eines Zungenschabers aber auch Öl ziehen – dafür wird z.B. Sesamöl für einige Minuten im Mund gegurgelt, bevor es wieder ausspuckt wird. Dadurch sollen Giftstoffe aus der Mundhöhle ausgeschieden werden. 

In der Hatha-Yoga Praxis gibt es auch fortgeschrittene Techniken wie zum Beispiel das Schlucken und wieder Herausziehen einer Mullbinde. 

  1. Basti 

Basti ist Sanskrit und bedeutet “Harnblase, Unterleib”. 

Diese Technik bezieht sich auf die Reinigung des Darmes. Bei der traditionellen Variante hockt man sich bis zum Bauchnabel in ein fließendes Gewässer, bevorzugt den Ganges. Es wird ein kleines Röhrchen in den After eingeführt und Wasser in den Darm gepumpt.  

  1. Neti 

Beschäftigt sich mit der Reinigung der Nase. Es wird zwischen Jala Neti (Jala= Wasser) und Sutra Neti (Sutra= Faden) unterschieden. Bei Sutra Neti wird ein dünner Plastikschlauch oder Baumwollfaden durch die Nase geschoben und durch den Mund wieder rausgezogen. Bei Jala Neti gibt man eine Salzlösung in die Nase und spült die Nasennebenhöhlen. Diese Technik habe ich selbst ausprobiert und werde später noch genauer davon berichten. 

  1. Tratak 

Bei Tratak handelt es sich um eine Konzentrations- bzw. Meditationsübung. Tratak heißt “schauen, auf etwas hinschauen”. Die Augen werden mit Hilfe einer Kerzenflamme gereinigt. Auch auf diese Technik gehe ich später in meinem Erfahrungsbericht noch genauer ein. 

5. Nauli 

Nauli bedeutet „wirbeln“ bei dieser Übung massiert man seine inneren Bauchorgane durch die Bewegung der Bauchmuskulatur. In der Praxis stellt man seine Beine hüftbreit auseinander, die Knie sind leicht gebeugt. Man stützt sich mit den Händen auf die Knie ab und beugt sich nach vorne. Anschließend atmet man kräftig ein und vollständig wieder aus. Die Arme werden gestreckt und der Bauch und unter die Rippen gezogen, während das Kinn abgesenkt wird. Jetzt wird der Bauch kreisend bewegt ohne einzuatmen. Nauli sollte nicht von ungeübten Yogis durchgeführt werden.  

  1. Kapalabhati 

Wird auch Feueratmung genannt, diese Technik regt den Kreislauf an und soll eine reinigende Wirkung auf die Lunge haben. Übersetzt bedeutet Kapalabhati „den Schädel zum Leuchten bringen“. 

Für die Feueratmung setzt man sich aufrecht hin. Man atmet ein und stößt mit der Ausatmung durch die Kontraktion der Bauchmuskel die ganze Luft so kräftig und schnell wie möglich durch die Nase wieder aus. Der Fokus liegt hier nur auf der Ausatmung. 

Wie oben schon erwähnt haben mich zwei Techniken so neugierig gemacht, dass ich diese selbst ausprobiert habe – Tratak und Jala Neti. Beide Techniken beschreibe ich nun noch etwas genauer und werde auch meine Erfahrungen mit euch teilen – Viel Spaß beim Lesen.  

Erfahrungsbericht Tratak 

Die erste Technik, die ich ausprobiert habe, nennt sich Tratak (sanskrit: trataka)das bedeutet schauen, fixieren des Blickes oder auch starren.  

Tratak dient als Konzentrations- und Meditationsübung für die Augen. Sie unterstützt die Reinigung der Augen und der Tränendrüsen. Es ist eine Übung für die Achtsamkeit und hilft die Augen zu entspannen und von der Überbeanspruchung durch langes Arbeiten vor dem Bildschirm zu erholen und die Konzentration zu stärken.   

Laut Studien hat Tratak positive physische und spirituelle Effekte. Die Augenmuskeln werden gestärkt, die Konzentration gesteigert und Stress gelindert. 

Die Verbindung zwischen den Augen und dem Gehirn wird gestärkt. 

Deine Augen mal nicht zu bewegen ist eine Entspannung für deine Augen, diese soll sich auf den ganzen Körper und Geist ausbreiten. 

Zum Durchführen dieser Technik kann man einen Gegenstand nutzen, häufig wird jedoch eine Kerzenflamme genutzt. Da sich mit geschlossenen Augen leicht, dass Bild einer strahlenden Flamme projizieren lässt. 

Bei dieser Übung wird eine Kerzenflamme für einen längeren Zeitraum angestarrt, ohne die Augenlider zu bewegen. Achte darauf, dass es sich um eine beständige, gleichmäßige Flamme handelt. Mit einem flackernden Licht erlangst du keine Konzentration. 

Das Starren bringt dich mit der Zeit in einen mediativen Zustand.  

Anleitung für Tratak 

  1. Suche dir einen ruhigen, windstillen Platz und dämme das Licht. 
  1. Setzte dich bequem in den Schneidersitz mit gerade Rücken, lege deine Hände auf den Knien ab und halte deinen Mund geschlossen. Achte darauf das dein Körper aufgerichtet ist und du nicht verspannt bist 
  1. Stelle die Kerze (traditionelle Kerzen: Puja) vor dir auf Augenhöhe auf, circa 1 – 2m von dir entfernt. Nutzt du eine Brille oder Kontaktlinse, dann entferne diese.  
  1. Atme ruhig und gleichmäßig. Schließe deine Augen. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und übernehme die Bewegung deines Bauches.  
  1. Öffne deine Augen und beobachte die Flamme ohne zu blinzeln solange du kannst. Die Augenmuskeln werden sich leicht anspannen, 
  1. Nach einer Weile werden deine Augen anfangen zu Tränen – dieser Reinigungseffekt tritt unweigerlich ein.  
  1. Nach einiger Zeit schließe die Augen und nimm war, was du mit geschlossenen Augen siehst. Wenn das Bild verblasst, dann wische dir die Tränen ab, putze dir die Nase. Und wiederhole diese Prozessdur. 
  1. Nach der zweiten Runden halte die Augen geschlossen und bewege deine Augäpfel zunächst im Uhrzeigersinn, danach in die entgegengesetzte Richtung. 

Meine Erfahrungen mit Tratak

Ich benötigte einige Anläufe, bevor mir Tratak gelang. Bei dem ersten Versuch klingelt der Postbote, das Handy oder mir schliefen die Beine ein. Ich empfehle euch also vor der Mediation alles, was euch ablenken könnte auszuschalten und an einen gemütlichen und ruhigen Platz zu gehen. Du musst dich darauf einlassen können und zulassen dich nur auf die Kerzenflamme zu konzentrieren. Aber danach fühlte ich mich gut und meine Augen waren entspannt.  

Erfahrungsbericht Jala Neti 

Die zweite Technik über die ich euch informieren möchte, nennt sich Jala Neti.  

Im Hatha Yoga gilt Jala Neti als eine der wichtigsten Reinigungsübungen. “Jala” bedeutet in Sanskrit Wasser. Es handelt sich um eine traditionelle Nasenspülung, sie dient zur Reinigung der Nase und Nasennebenhöhlen, hat aber noch tiefergehende Wirkungen, weil die Nase in Indien als Tor zum Gehirn angesehen wird. 

Jala Neti kann viele positive Effekte haben, sie reinigt die Nase und Nasennebenhöhlen von Schleimablagerungen und entfernt Schmutzpartikel. Dadurch wird das körpereigene Reinigungssystem, die Flimmerhärchen unterstützt und Staub, Bakterien/Viren und Pollen besser abtransportiert. Einige Studien zeigen, dass Jala Neti Heuschupfen mildern kann.  Auch angeschwollene Schleimhäute können gelindert werden und eine freie Atmung fördern. 

Für diese Reinigung benötigst du ein Neti-Kännchen oder eine Nasenspülung (zur Not geht auch die eigene Hand), sowie Wasser und Salz. Nimm ca. 9g Salz für einen Liter körperwarmes Wasser. Erst wenn sich das Salz vollständig im Wasser aufgelöst hat, solltest du mit der Durchführung starten. 

Anleitung für Jala Neti 

  1. Setze das Kännchen zuerst am rechten Nasenloch an. Stelle dich mit einem leicht vorgebeugten Oberkörper über ein Waschbecken und halte den Kopf leicht schräg. 
  1. Neige das Kännchen, bis das Wasser anfängt in dein Nasenloch zu laufen. 
  1. Atme während der Spülung durch den leicht geöffneten Mund. 
  1. Wechsle die Seite, wenn die Hälfte des Wassers verbraucht ist – setzte nun das Kännchen am linken Nasenloch an. 
  1. Anschließend die Nase abtrocken. 
  1. Sollte Wasser in den Kanälen zurückbleiben, dann bleib mit leicht vorgebeugtem Oberkörper stehen. Atme durch den Mund ein und durch die Nase wieder aus. Dies kannst du bis zu zehn Mal wiederholen. 

Meine Erfahrungen mit Jala Neti

Ich habe die Jala Neti mit Hilfe eines Nasenkännchens durchgeführt. Ich brauchte etwas um den richtigen Winkel zu finden, damit das Salzwasser optimal durch die Nase und Kanälchen floss. Ich   spürte, wie sich das Wasser den Weg durch die Kanäle suchte und spürte ein leichtes Druckgefühl. Dies empfand ich allerdings nicht als unangenehm. Danach fühlt sich die Nase deutlich freier an. Ich hatte das Gefühl besser Luft zu bekommen und werde die Nasenspülung nun regelmäßig durchführen.  

Mein Fazit 

Wenn der Beitrag dein Interesse an den Reinigungstechniken geweckt hat, probiere gerne mal die eine oder andere aus. Aber achte darauf, dass du als unerfahrene Person nur die wirklich einfachen Techniken (wie Dhauti, Tratak oder Jala Neti) alleine durchführen solltest. Die anspruchsvolleren Techniken, wie Basti oder Nauli solltest du nur unter professioneller Anleitung praktizieren. Ich selber war am Anfang auch etwas skeptisch. Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat, die Reinigungstechniken auszuprobieren. Ich leide im Frühling unter Heuschnupfen und durch das regelmäßige durchführen von Jala Neti hatte ich diesen Frühling deutlich weniger Probleme. Probiere es aus und mach deinen eigenen Erfahrungen. Teile mir gerne deine Erfahrungen mit.  

Eure Isabel

Quellen: 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3821187/

http://www.yogamag.net/archives/1983/ajan83/orishat.shtml

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