Geheimrezept Schnelligkeit – steckt in jeder/jedem von uns ein kleiner Usain Bolt?

„Höher, schneller, weiter“ – nach diesem Prinzip betrachten Leichtathletikfans, zu welchen Kraftakten der menschliche Körper in der Lage ist. Was nicht nur beeindruckend, sondern gleichzeitig auch sehr ästhetisch ist. Es ist jedoch eine Disziplin, die bei allen großen Leichtathletik-Events und Fernsehübertragungen im Fokus steht: der 100-Meter-Lauf.

Der Name Usain Bolt wird nicht nur den Sport-Fans was sagen. Er ist der schnellste Mensch der Welt. Bei seinem 100m Weltrekord (9,58 Sek.) erreichte der Jamaikaner eine Höchstgeschwindigkeit von 44,72 km/h. Auch der Weltrekord über 200m (19,19 Sek.) wird von Bolt gehalten. Bei seinen Sprints erreicht der 1,95m-Mann eine Schrittlänge von bis zu 2,95m.

Aber genug Fakten über den schnellsten Mann der Welt. Der Sport fasziniert, aber wie sieht das Erfolgsrezept dahinter aus? Wie trainiert man Schnelligkeit überhaupt? Und warum haben Sprinter so muskulöse Oberkörper, obwohl sie doch eigentlich nur ihre Beine brauchen? Und überhaupt, kann jeder ein guter Sprinter werden?

Bei der Antwort auf die Frage, ob jeder ein guter Sprinter werden kann, muss zunächst ein Blick auf die Muskelfasern geworfen werden. Diese lassen sich grob in zwei verschiedene Arten unterteilen. Zum einen die „roten Muskelfasern“ (Typ-1-Muskelfasern). Sie ermüden langsam und sind perfekt für ausdauernde Bewegungen. Ihre Kraftentwicklung ist jedoch nur sehr niedrig. Die „roten Muskelfasern“ sind demnach ideal für Ausdauersportler. Optimal für Sprinter sind die „weißen Muskelfasern“ (Typ-2-Muskelfasern). Diese haben ein nur sehr geringes Ausdauervermögen und ermüden schnell. Ihre Kraftentwicklung jedoch ist sehr hoch und sie können schnell kontrahieren. (Blum/Friedmann, 2002, S. 61/62)

Wer also problemlos 1 Stunde joggen kann, besitzt demnach einen höheren Anteil an Typ-1-Muskelfasern. Wem jedoch das Ausdauertraining schwerfällt, aber ein schneller, kurzer Antritt beim Fußball, Handball oder einer anderen Sportart kein Problem darstellt, der besitzt einen größeren Anteil an Typ-2-Muskelfasern. Das Verhältnis zwischen diesen Muskelfasern kann man nicht beeinflussen, da es genetisch festgelegt ist. Jedoch können, durch bewusstes Krafttraining, die „weißen Muskelfasern“ wachsen und sich entwickeln. Mit viel Fleiß, Arbeit, Ehrgeiz und wenn man schon früh mit dem Training beginnt, ist es für jeden möglich schnell laufen zu können. Vorteil liegt hier jedoch bei denen, die mit einem höheren Anteil an Typ-2-Muskelfasern auf die Welt kommen.

Beim Training der Schnelligkeit kommt es darauf an die Belastung immer wieder zu wiederholen. Zwischen kurzen, explosiven Belastungen ist eine passive Pause einzulegen, um für eine nahezu vollständige Erholung zu sorgen, damit die Intensität der folgenden Belastung wieder maximal sein kann (Friedrich, 2007, S.169). Es kommt nicht von ungefähr, dass den Sprintern unter den Leichtathleten immer nachgesagt wird, sie würden beim Training doch immer nur Pausen machen ;-). Zur Sicherung der neurophysiologischen Anpassungen sind sowohl Aktionen als auch Reaktionen mit maximaler Geschwindigkeit auszuführen. Man muss den Körper demnach immer wieder maximal schnell bewegen, damit er sich an diese Bewegungsmuster „gewöhnen“ kann (Friedrich, 2007, S.174).

Besonders auffällig bei Sprintern ist auch der muskelbepackte Oberkörper. Doch braucht man diesen überhaupt, um schnell laufen zu können? Ja, definitiv! Beim Sprinten ist eine gute Stabilität im Rumpf enorm wichtig. Außerdem dienen starke Oberarme als Schwungelement in der Beschleunigungsphase. Es kommt jedoch auch darauf an, dass die Muskelgruppen im Gleichgewicht bleiben. Wer seinen Unterkörper viel trainiert, sollte auch darauf achten seine Oberkörpermuskulatur zu stärken.

Damit es nicht zu Verletzungen kommt, muss der Körper viele schnelle Bewegungen intuitiv kompensieren und stabilisieren. Neben einem ganzheitlich gut trainierten Körper, gehört auch viel Beweglichkeitstraining beim Aufwärmen dazu, um Verspannungen zu lockern. Auch nach der Belastung sollten Muskeln und Gelenke umfangreich „gepflegt“ werden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es beim Geheimrezept der Schnelligkeit auf unterschiedliche Zutaten ankommt. So sind es die Muskelfasern, die richtige Gestaltung des Trainings, eine ausgeprägte Muskulatur im ganzen Körper, aber auch eine umfangreiche „Pflege“ des eigenen Körpers und der Muskeln, auf die es beim Sprinten ankommt. Scheint also als könne man in Jamaika besonders gut kochen ;-).

Nina L.

Quellen:

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