Das Fasziensystem – Aufbau und Funktion

Bildschirmfoto 2015-11-26 um 17.20.34Sicherlich ist euch bei uns im FIT, im Internet oder sonstigen Medien das Wort Faszie oder auch Faszientraining schon mal zu Ohren gekommen. Und das hat einen guten Grund, denn Sport- und Trainingswissenschaften richteten ihren Fokus bisher hauptsächlich auf ein Training der Muskulatur, des Kreislaufs, sowie der Koordination. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass unserem Fasziensystem für die Leistungsfähigkeit der Muskeln, für die Koordination und für die Propriozeption, also die körpereigene Wahrnehmung, eine große Bedeutung zukommt. Unser fasziales Bindegewebe kann deutlich mehr als wir bis dato angenommen haben. Das nehmen wir zum Anlass einen mehrteiligen Blog zu diesem gegenwärtig präsenten Thema zu schreiben, damit auch ihr mit diesem Thema vertraut seid.

Bevor wir jedoch über ein gezieltes Faszientraining berichten, soll im jetztigen ersten Teil, ein besseres Grundverständnis geschaffen werden und zentrale Fragen bzw. Begrifflichkeiten erläutert werden. Inhalte sind:

Was sind Faszien? In welche Typen werden Faszien untergliedert und welche Funktionen übernehmen Faszien in unserem Körper?

Im zweiten Teil dieses Blog-Themas erfahrt ihr dann mehr zum Aspekt Faszien & Schmerzen und im 3 Teil werden wir dann auf die Grundprinzipien und positiven Effekte eines faszialen Trainings eingehen.

Nun aber erstmal viel Spaß beim Lesen des ersten Teils.

Was sind Faszien?
Das Wort „Faszie“ entstammt dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Band“ oder „Bündel“. Dies deutet auf die grundlegende Aufgabe und Tätigkeit der Faszie hin. Auf einer klassisch medizinischen Ebene betrachtet, gehören die Faszien zu den Bindegeweben. Neben dem Epithel-, Muskel- und Nervengewebe gehört das Binde- und Stützgewebe zu den vier Grundgewebearten uneres Körpers.
fascia1_lrg-300x248Gewebe lässt sich im Allgemeinenals ein Verband gleichartig entwickelter Zellen, die bestimmte Funktionen übernehmen, definieren.
e nach Lage im Körper, z.B. im Gehirn, am Knochen, Muskel
oder in Verbindung mit einem Organ, übernimmt das Bindegewebe vielfältige Funktionen. Es variiert hier ebenfalls in seiner Form und den Ausprägungsmerkmalen. Grundsätzlich besteht es immer aus Bindegewebszellen, der Extrazellularmatrix (Zwischenzellflüssigkeit) und den darin eingelagerten Fasern (Kollagen und Elastin). Bindegewebe kommt überall in unserem Körper vor. Forscher bezeichnen das Bindegewebe deshalb auch als eine Art Universalbaustoff. Mit ein wenig Fantasie kann man sich die Faszien als eine Art Netz vorstellen, das mal fester, mal lockerer geknüpft ist und mal mehr, mal weniger Flüssigkeit enthält. Dieses Netz kann sowohl dehnbar als auch dicht , zug- und reißfest oder weich und lose sein. Gegenwärtig wird das Bindegewebe von Faszienforschern weltweit als ein eigenes Organ, als System, das den ganzen Körper durchdringt und das sowohl allgemeine als auch einige sehr spezifische Aufgaben hat, angesehen.

Typen und Funktionen des Bindegewebes

Faszien werden aufgrund ihrer verschiedenen Bauweisen und Funktionen in unterschiedliche Typen gegliedert. Grundsätzlich kann man zwei Gewebetypen unterschieden. Dies ist zum einen das lockere, faserige Bindegewebe und zum anderen das straffe Bindegewebe.

Lockeres, faseriges Bindegewebe

In diesem Typ Bindegewebe überwiegt die wässrige Grundsubstanz, während Kollagen- und Elastinfasern in geringerem Anteil darin eingelagert sind. Dabei ist die Struktur dieses Faszientyps wie ein zartes, weitmaschiges Netz aufgebaut. Das lockere Bindegewebe füllt im Bauch Zwischenräume aus, umhüllt, schützt, polstert und stabilisiert Organe und hat eine wichtige Versorgungs- und Stoffwechselfunktion. Weiterhin dient es als Wasserspeicher und als Raum für zahlreiche freie Zellen. Dazu zählen Abwehr- und Lymphzellen, Blutgefäße, Nervenendigungen sowie Sensoren für Druck, Berührung, Bewegung und Temperatur. Lockeres Bindegewebe bildet den größten Anteil an Bindegewebe in unserem Körper. 

Straffes Bindegewebe

Straffes Bindegewebe hat einen sehr hohen Kollagenanteil. Im Gegensatz zu lockeren, faserigen Faszien, ist das Vorkommen an wässriger Grundsubstanz sehr gering. Die kollagenen Strukturen des straffen Bindegewebes weisen zu dem eine andere Faserverlaufsrichtung auf, wodurch es zu einer weiteren Klassifizierung kommt. Man unterteilt in straffe, netzartige und straffe, parallelfaserige Faszien.

Bild zum Blogthema Faszien

Abbildung 1. Die kollagene Architektur (www.blackroll-orange.de)

Links: Verlust einer klaren netzartigen und welligen Struktur des Gewebes.

Rechts: deutliche Scherengitter-Ausrichtung und Wellung der Kollagenfasen. Gewebestruktur entspricht gesunden und bewegungsaktiven Menschen

Bei straffen, netzartigen Faszien, überkreuzen sich die Fasern und bilden eine entsprechende geflechtartige Struktur (Abb. 1). Diese Ausprägungsform des Gewebes ist die Antwort auf regelmäßig einwirkende Spannungen und Verformungen aus unterschiedlichen Richtungen. Zudem können sich die Fasernetze aus Kollagen in verschiedene Richtungen verschieben und ausbreiten, wodurch das Gewebe eine hohe Anpassungsfähigkeit und Zugfestigkeit erreicht. Dieser Typ Faszienstruktur findet sich z.B. in der Haut, in Gelenkkapseln, aber vor allem in den Muskelfaszien.

Deutlich anders aufgebaut bzw. ausgerichtet, sind die straffen, parallelfaserigen Faszien. Auf diese Strukturen herrscht weitgehend eine gleichbleibend ausgerichtete Beanspruchung, wodurch die Kollagenfasern parallel in Zugrichtung angeordnet sind. Hierzu gehören Sehnen, Bänder und Aponeurosen.

Ein wichtiges Merkmal beider Bindegewebstypen, genauer gesagt der Kollagenfasern, ist die charakteristische Wellung der Fasern im entspannten Zustand. Diese Eigenschaft schützt das Gewebe vor schnellen und heftigen Zugbelastungen, die ansonsten das Bindegewebe womöglich schädigen könnten. Das straffe Fasziengewebe dient vor allem  der Stabilisation, bzw. Formgebung der Muskulatur. Weiterhin leiten sie die Kraft durch unseren Körper und ermöglichen so überhaupt erst dynamische und zielgerichtete Bewegungen.

Soweit erstmal zum Grundverständnis der Faszien. Wie ihr sicherlich schon gemerkt habt, ist dies ein recht komplexes Themengebiet, aber natürlich auch sehr interessant und dementsprechend wissenswert. In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und bis bald zum zweiten Teil über unser faszinierendes Fasziensystem.

Beste Grüße,

Lennart

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